Outdoor "pädagogisch" Arbeiten

Outdoor Trainings haben sich in großen und mittelständischen Unternehmen schon längst als regelmäßig durch geführte Maßnahmen zur Mitarbeitermotivation, zum Teambuildung oder als Hilfe bei Auswahlverfahren und bei Assessment Centern etabliert.

 

Zur Orientierung zunächst eine Feststellung: Der Begriff Outdoor Training subsumiert im Grunde alle im Freien stattfinden Aktivitäten, Aktionen oder Events, die z.B von Unternehmen zur Teambildung organisiert bzw. genutzt werden. Je nach Anforderung, Schwierigkeitsgrad und Zielgruppe wird dabei zwischen Parcours und quasi "Expeditionen/Survival Aktivitäten" unterschieden. Die geläufigste Form ist der Parcours. Dabei finden die Teilnehmenden in einem vorgegebenen Gelände verschiedene Aufgaben und/oder Hindernisse vor, die sie gemeinsam lösen bzw. überwinden müssen. Dabei geht es nicht um sportliche Leistungen, sondern um die Zusammenarbeit als Team.

Nicht anders ist es bei sogenannten "Expeditionen oder Adventure racings" bei denen in der Gruppe "Wanderungen" unternommen - vorgegebene Strecken überwunden - werden, beispielsweise mit dem Ziel eine bestimmten Ort oder eine Hütte zu erreichen. Je Zielgruppe kann dabei die Länge und der Schwierigkeitsgrad der Tour erheblich variieren: Vom einfachen Waldspaziergang mit dazwischen geschalteten einfachen Outdoorübungen bis hin zur Bewältigung und von wirklich anspruchsvollen Geländestrecken mit selbstständig zu lösender Orientierungsarbeit und besonderen Zusatzaufgaben auf dem Weg.

 

Zwischen diesen beiden Angebotsformen liegen alle jene "Outdoor-trainingstage" bei denen ganz häufig in Semiarhotelparks oder ähnlich kultivierten  Landschaften zu verschiedenen Themen von der Gruppe unter Anleitung "Spiele und Übungen" durchlaufen und die Ergebnisse reflektiert und für den Berufsalltag adaptiert werden.

 

So weit so gut! Funktioniert, bringt Abwechslung in den Alltag und recht brauchbare Ergebnisse und macht - das ist vor allem für die Teilnehmenden wichtig - Spaß und Freude!

 

Immer häufiger findet man nun aber unterschiedliche Outdoorangebote, die sich mit dem Zusatz bzw. Beiwort "pädagogisch" schmücken. Was kann das bedeuten bzw. was hat es damit auf sich? Also habe ich die letzten Monate recherchiert und nachgefragt:

Entschuldigen Sie bitte, was ist Ihr pädagogisches Konzept?

 

Die Antworten auf diese - für PädagogenInnen - im Grunde recht einfache Frage - waren derart eigentümlich bis hin zu echt bizarr, dass ich an dieser Stelle ein paar Hinweise und ein kleine Anleitung geben möchte.

 

Wer "pädagogisch" in einem bestimmten Feld (Kindergarten, Schule, betriebliche Aus- und Fortbildung und eben auch in und mit der Natur arbeitet, kommt nicht umhin dafür ein "echtes pädagogisches Konzept" zu entwickeln.

  1. Die Grundlage dafür ist, dass man sich im Klaren darüber ist,
    1. vor welchem Hintergrund man
    2. was man mit seinen Teilnehmenden
    3. auf welchen Wegen
    4. unter Beiziehung welcher Methoden und Techniken erreichen möchte, welche
    5. Motivations- und Interventionstechniken und -methoden dabei zum Einsatz kommen können,
    6. welche Ziele, Zielstellungen und Schwerpunkte konkret geeignet sind, um das angepeilte Vorhaben umsetzen zu können und
    7. welche Aufträge/Übungen oder Spiele das dann auch tatsächlich bewirken können.
  2. Darüber hinaus muss man sich darüber Gedanken machen,
    1. welche personalen Ressourcen mit entsprechenden Qualifikationen benötige ich dafür?
    2. welche  fachlichen Ressourcen müsse gegeben sein?
    3. welche  technischen Ressourcen sind unabdingbar?
    4. welche  materiellen Ressourcen sind notwendig?
    5. welche zeitlichen Ressourcen braucht das Angebot?
  3. Und schließlich sind da auch noch die Aspekte der Feinplanung, der Vorbereitung und Organisation der "inneren Abläufe":
    1. WER?
    2. WAS?
    3. WO?
    4. WIE?
    5. WOMIT/WODURCH
    6. WIE LANGE?
    7. Mit WEM?
    8. WARUM?

Am Ende dürfen sich - um auch ein echtes pädagogisches Konzept zu sein - alle diese Aspekte nicht widersprechen, gegenseitig ausschließen, oder einfach aus unterschiedlichsten Disziplinen und Quellen aneinander-gereiht werden, sondern müssen gemeinsam ein zusammenhängendes (eben) eigenständiges pädagogisches Konzept ergeben!

 

Erst jetzt ist ein "pädagogisches Konzept" auch tatsächlich die (praktische und wissenschaftlich fundierte) Grundlage und Basis für gezieltes "päda-gogisches Denken, Planen und Handeln", das klar beschreibt und festlegt und für die Kunden auch sichtbar macht, wie man gedenkt mit ihnen zu arbeiten.

 

Wer also vor sein Outdoor "pädagogisch" hinschreibt, sollte sich zumindest die Mühe machen ein entsprechendes Konzept dazu zu entwickeln! Peinlich, wenn nicht drinnen ist was außen drauf steht!


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von: Manfred Hofferer, So 14. April 2013