Was ist es?

Was es ist ... (frei nach Erich Fried)

 

Zentrale Aufgabe pädagogischen Handelns ist nicht "Erziehen", sondern "Lernen und Entwicklung zu ermöglichen". "Etymologisch ist das Wort "lernen" mit "lehren" und "List" verwandt und gehört in die Wortgruppe von "leisten", das ursprünglich "einer Spur nachgehen, nachspüren" bedeutet. "Das Wort "Lernen" entspringt der gotischen Bezeichnung für "ich weiß" (lais) und das indogermanische Wort für "gehen" (lis) (vgl. Wasserzieher, 1974). Im Gotischen heißt "lais" wörtlich übersetzt "ich habe nachgespürt" und "laists" steht für die "Spur". "Die Herkunft des Wortes deutet darauf hin, dass Lernen ein Prozess ist, bei dem man einen Weg zurücklegt und dabei zu Wissen gelangt." (M.R., 2001, 11).

"Pädagogen/-innen" sind, diesen Gedanken folgend, professionelle "Lern- und Entwicklungshelfer/-innen" und in der Lage entsprechende Lernumwelten vor- und aufzubereiten, bereitzustellen und entsprechend zielgruppen-, prozess- und zielorientiert zu begleiten (vgl. H.M., R.F., Praxishandbuch Outdoorpädagogik S 20 ff.) "Gelerntes kann dabei alles sein, was man weiß oder kann, was man vorher nicht wusste oder konnte.“ (G.H., 2007, S. 25). Das Hauptziel des Lernens in einem pädagogischen Prozess ist die Entwicklung von „Mündigkeit“ im Kant´schen Sinn (vgl. Kant). In seinem berühmten Text, der Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? von 1784 schreibt Kant: Sapere aude [lat.: „wage es, zu denken“]! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! Der Begriff Mündigkeit beschreibt dabei das innere und äußere Vermögen zur Selbstbestimmung. Mündigkeit ist demnach ein Zustand der Unabhängigkeit und besagt, dass man für sich selbst sprechen und sorgen kann. Pädagogisches Handeln zielt in diesem Verständnis auf eine sukzessive Zunahme und Ausweitung dieser Mündigkeit und Autonomie ab.

 

Pädagogisches Handeln muss somit als eine besondere Form des sozialen Handelns, bezogen auf das Handeln anderer Menschen (die es zu erlernen gilt) verstanden werden. Charakteristisch und zentral hierfür ist die dem Prozess zu Grunde liegende Wechselseitigkeit, wodurch eine Interaktion der Handelnden hinsichtlich des Ziels entsteht. Daraus ergibt sich auch, dass es in bestimmten pädagogischen Situationen immer mehrere und unterschiedliche Möglichkeiten gibt zu agieren, je nach dem, wie sich der/die Interaktionspartner/-in verhält. Es gibt kein "richtiges", sondern nur angemessenes, vernünftiges bzw. zielorientiertes und schlussendlich begründbares pädagogisches Handeln. (vgl. dazu G.H., 2007, S. 21f.) Aus diesem Grund wird die professionelle pädagogische Kompetenz nicht in erster Linie durch Regeln einer in jedem Fall notwendigen "pädagogischen Technologie" fundiert, sondern durch die Qualität der jeweiligen "pädagogischen Beziehung". Genau auf diesen Bereich wird in pädagogischen Ausbildungen neben den methodisch-didaktischen und technologischen Schwerpunkten besonders großer Wert gelegt. Pädagogik ist nun einmal ein Beruf!

 

M.H.

 

Literatur: 

  • Giesecke, H., Pädagogik als Beruf: Grundformen pädagogischen Handelns. Weinheim 2007.
  • Hofferer, M., Fanninger. R., Praxishandbuch Outdoorpädagogik, Verlag Outdoorpädagogik, 2011
  • Kant, I., Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? Berlinische Monatsschrift, 1784, 2, S. 481-494
  • Mielke, R., Psychologie des Lernens. Kohlhammer. Stuttgart 2001
  • Wasserzieher, E., Woher. Ableitendes Wörterbuch der deutschen Sprache. Bildungsverlag Eins. 1974

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