Mehr Schein als Sein?

Kompetenzorientierung ist derzeit in aller Munde

Ohne Kompetenzorientierung geht heute in der Erwachsenenbildungslandschaft gar nichts; zumindest wenn man einschlägige Webseiten studiert. Das primäre Ziel kompetenzorientierter Bildungsangebote (früher nannte man das „Lernergebnisorientierung“) - so liest man in dicken Lettern - ist nicht mehr bloße Vermittlung von Wissen und damit verbunden das Sammeln von Bildungsabschlüssen, sondern die bestmögliche praktische Anwendung der vermittelten Inhalte in unterschiedlichen, für die Zielgruppe jeweils relevanten, Situationen sowie Aufgaben-, Arbeits- und Betätigungsfeldern.

 

Die Ausschreibungen der Bildungsangebote sind demnach auch keine bloßen Inhaltsdarstellungen mehr, sondern zeigen anhand von sogenannten „Learning Outcomes“ (mehr oder weniger detaillierte Lernergebnisse), was die Teilnehmenden nach dem Abschluss der Bildungsmaßnahme praktisch „können (sollten)“ bzw. über welche Kompetenzen sie tatsächlich verfügen werden.

 

Was sind die Grundlagen, gibt es das?

 

Wer kompetenzorientiert arbeitet sollte aus der Sicht des Autors zumindest folgende sechs Bereiche beherrschen bzw. zumindest mit einem Basiswissen dazu ausgestattet sein:

  • Eigene kompetenzorientierte Grundhaltung mit entsprechendem Menschenbild
  • Bestimmung und Formulierung von kompetenzorientierten Lern- und Arbeitszielen (und hier sind nicht bloß Grobziele gefordert) unter expliziter Berücksichtigung der Zielgruppe
  • Kompetenzentwicklungsfokussierte didaktische Lehr- und Lernstoffaufbereitung
  • Kompetenzfördernde Lehr-, Lern- sowie Zeit- und Umfeldgestaltung inkl. des Einsatzes geeigneter Methoden und Sozialformen
  • Aktive Unterstützung und Begleitung des Kompetenzerwerbs der Teilnehmenden sowie kompetenzorientierte Interventionsformen
  • Kompetenzorientierte Reflexion, Evaluation und (Über-)Prüfung

Soweit so gut, klingt einfach, ist es aber bei weitem nicht! Nehmen wir ein Beispiel: Bei einer kompetenzorientierten Evaluation von Bildungsangeboten steht eine bestmögliche Ermittlung der in dem jeweiligen Bildungsangebot vermittelten Kompetenzen Zugewinn an Kompetenzen der Teilnehmenden im Zentrum der Evaluationsmaßnahmen.


Jede/r wie er/sie kann und mag, oder wie?


Damit die „Kompetenzorientierung“ nicht einfach nur ein werbeträchtiges Reizwort für die Verpackung und den Verkauf von Bildungsangeboten bleibt, muss man sich nun auch die Frage nach einer validen (geeigneten) und reliablen (zuverlässigen) Kompetenzerfassung und -messung stellen. Konkret, wie, womit und wodurch wird von wem und in welcher Weise überprüft, ob und in welchem Ausmaß die ausgeschriebenen Ziele tatsächlich erreicht und realisiert werden konnten? An dieser Stelle ergibt sich ein echtes Problem, denn zur Zeit stehen tatsächlich keine auch nur annähernd verlässlichen Verfahren zur kontrollierbaren und objektiven Erfassung von Kompetenzen zur Verfügung! Damit besteht grundsätzlich auch die Gefahr (das scheint in Wahrheit in der Praxis eine Realität zu sein), dass problemlos so getan werden kann, als ob man etwas – wenn überhaupt - „messen“ würde und aus diesen Ergebnissen in bester Laune etwas für die Zukunft ableiten bzw. im Positiven oder aber auch Negativem prognostizieren könnte!

 

Wie und womit wird evaluiert?


Die Mittel der Wahl zur Evaluation zum gegebenen Zeitpunkt sind - wenn überhaupt - vorzugsweise Selbsteinschätzungen der Teilnehmenden, von Trainer/innen zur Verfügung gestellte unstrukturierte Beobachtungen mit nachfolgender - eher mehr als weniger oberflächlicher - Besprechung. Sehr viel seltener kommen lern- und projektbegleitende strukturierte Befragungen und nur hin und wieder finden sich dann auch konkrete Beurteilungen anhand vorher festgelegter Kategorien und Kriterien durch die Trainer/innen (besser) und/ (als) oder die Teilnehmenden von z.B. Lernergebnissen bzw. erarbeiteten Projekten oder Produkten. Ebenso stark unterrepräsentiert ist die Arbeit mit begleitenden Forums- oder Blogbeiträgen, elektronischen Entwicklungs-, Lern- oder Projektjournalen, interaktiven Gruppenprojekten, Fallstudienaufträge oder themenbezogene Laborübungen u.ä.

 

Was ist mit Dokumentation?


Das Problem rund um die Kompetenzevaluation wird auch in dem Umstand sichtbar, dass in der Regel die erhobenen Kompetenzen zum Ende einer Bildungsveranstaltung mehr oder weniger als „lose Kompetenzsplitter“ auf dem Flipchart oder der Pinnwand gesammelt und im besten Fall gruppiert und mit einem Abschlusssatz versehen werden. Die Instrumente einer strukturierten und gegliederten Kompetenzbilanz, -portfolio oder Kompetenzpass bilden in der Praxis immer noch eine selten anzutreffende Ausnahme. Video und/oder „advokatorischer“ Zugang - d.h., dass die Beobachtung durch eine/n unabhängige/n Dritttrainer/in geleistet wird - bleiben nahezu gänzlich unberücksichtigt.


Insgesamt also von Seiten des Autors ein noch unbefriedigender Befund zum Themenbereich der dringend professioneller Aufmerksamkeit bedarf. Wie heißt es in William Shakespeares Ein Sommernachtstraum: „Doch eh ein Mensch vermag zu sagen: schaut! Schlingt gierig ihn die Finsternis hinab: So schnell verdunkelt sich des Glückes Schein!“

 

Fazit: Bis die Vorgaben des europäischen Qualifikationsrahmens und der sich daraus ergebenden Fokussierung auf die Kompetenzorientierung tatsächlich umgesetzt sein wird, wird wohl noch viel Wasser Wien passieren. Zur Zeit jedenfalls noch mehr Schein als Sein? ;-)

 

Autor: Manfred Hofferer

Jahrgang 1962, studierte u.a. Bildungs- und Erziehungswissenschaften an der Universität Wien und ist der wissenschaftlich-pädagogische Leiter der Bildungspartner Österreich. In der Vergangenheit engagierte er sich für pädagogische und therapeutische Projekte und Ausbildungen im Sektor Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbildung. Nun widmet er sich schwerpunktmäßig pädagogischen Themen vom Ausbildungsabschluss über den Berufseinstieg bis hin zum Arbeitsalltag.

 

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Kommentare: 13
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